Die Weichen für die Zukunft der technischen Hilfeleistung und Menschenrettung in Neckargemünd sind endgültig gestellt. Nach über zwei Jahrzehnten zuverlässigen Dienstes steht das aktuelle Hubrettungsfahrzeug der Abteilung Stadt vor seiner Ablösung. Ein entscheidender Schritt ist geschafft: Die neue, hochmoderne Drehleiter ist in ihrer neuen Heimat angekommen.
Von der Abnahme direkt nach Neckargemünd
Von Montag bis Mittwoch dieser Woche reiste ein Team der Feuerwehr zur offiziellen Werksabnahme zu Rosenbauer nach Karlsruhe. Vor Ort stand nicht nur die formelle Abnahme und Übergabe auf dem Programm, sondern auch eine erste, intensive Ausbildung der Multiplikatoren, die das Wissen nun in die Gesamtwehr tragen werden.
Am Mittwochabend war es dann so weit: Das neue Fahrzeug traf in Neckargemünd ein und wurde gebührend empfangen. Zahlreiche Gäste – darunter die Jugendfeuerwehr, die Einsatzabteilung, die Altersmannschaft sowie Bürgermeister Seidel und Gäste der benachbarten Wehren– ließen es sich nicht nehmen, das neue Hubrettungsfahrzeug der Neckargemünder Wehr persönlich am Feuerwehrhaus willkommen zu heißen.
Den technologischen Wandel im Blick
Die bisherige Drehleiter (DLA(K) 23/12) vom Typ Mercedes-Benz Atego mit Magirus-Aufbau aus dem Jahr 2002 hat die Einsatzkräfte über 20 Jahre lang sicher in die Höhe gebracht. Doch mit steigenden Anforderungen an die Technik, schwindender Ersatzteilverfügbarkeit und dem anspruchsvollen Brandschutz wurde eine Ersatzbeschaffung notwendig, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sowie den Schutz der historischen Altstadt auch in Zukunft lückenlos zu gewährleisten.
Im Rahmen eines sorgfältigen Ausschreibungsprozesses fiel die Entscheidung auf eine moderne Gelenkdrehleiter des renommierten Herstellers Rosenbauer auf einem leistungsstarken MAN-Fahrgestell.
Die technischen Highlights der neuen Rosenbauer XS-Serie
Im Vergleich zum Vorgängermodell bietet die neue Drehleiter enorme taktische Vorteile, die im Ernstfall entscheidende Minuten sparen:
1. Der Gelenkarm: Maximale Flexibilität auf engstem Raum
Das „XS“ steht für „Extra Small“ beim Aktionsradius. Während die alte Leiter ein starres oberstes Leiterteil hatte, verfügt die neue XS über ein absenkbares Gelenkteil.
Vorteil: Der Korb kann bereits in sehr geringem Abstand zum Gebäude (bis zu 6,5 Meter) direkt vor dem Fahrzeug auf den Boden abgesenkt werden – in den engen Gassen der Neckargemünder Altstadt ein massiver Pluspunkt.
Hintergreifen: Das Gelenk ermöglicht es, „über den First“ zu fahren und die Rückseite von Dächern oder tieferliegende Dachterrassen und Dachgauben zu erreichen.
2. Der Multifunktions-Rettungskorb (HR-500 MF)
- Nutzlast: Statt der bisherigen 270 kg (3 Personen) bietet der neue Korb Platz für bis zu 5 Personen (500 kg).
- Barrierefreiheit: Durch eine durchgängig begehbare Front können Rollstuhlfahrer direkt in den Korb gefahren werden.
- Krankentrage-Halterung: Die Halterung ist nun stabil am Korbboden montiert, was die Patienten für die Rettungskräfte besser zugänglich macht.
3. Modernste Sicherheitssysteme & Sensorik
Eine permanente 3D-Lastmessung überwacht alle Kräfte (Wind, Last, Neigung) und erlaubt ein Arbeiten am physikalischen Limit. Zudem geben Kameras am Korbarm dem Maschinisten am Boden eine perfekte Sicht auf das Geschehen, selbst wenn das Zielgebiet verdeckt ist. Die neueste LED-Umfeldbeleuchtung sorgt zudem dafür, dass Einsatzstellen taghell ausgeleuchtet werden.
4. Das MAN-Fahrgestell: Agil und sicher
Modernste Fahrerassistenzsysteme erhöhen die Sicherheit bei der Alarmfahrt. Trotz der geballten Technik ist das Fahrgestell auf maximale Kompaktheit ausgelegt, was das Manövrieren im Stadtgebiet deutlich erleichtert.
Ausblick: Intensive Ausbildung vor dem ersten Einsatz
Mit der Ankunft im Feuerwehrhaus beginnt nun die wichtigste Phase: In den kommenden Monaten steht für die Drehleitermaschinisten und Korbbediener eine intensive und schweißtreibende Ausbildungs- und Einweisungsphase an. Jedes Detail des Hochleistungswerkzeugs muss im Schlaf beherrscht werden, bevor das Fahrzeug offiziell in den Dienst gestellt wird. Die finale Indienststellung ist für den Herbst dieses Jahres geplant. Erst danach wird die alte DLK 23/12 in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden.
Die Feuerwehr Neckargemünd bedankt sich herzlich bei der Stadtverwaltung, dem Gemeinderat sowie Bürgermeister Seidel für die Bereitstellung der Mittel und die großartige Unterstützung bei diesem für die Sicherheit unserer Stadt essenziellen Großprojekt.
Eckdaten im Überblick
Das bisherige Fahrzeug (Ersatzobjekt):
Funkrufname: Florian Neckargemünd 1/33
Fahrgestell: MB Atego 1528 F (Baujahr 2002)
Aufbau: Magirus
Das neue Fahrzeug:
Fahrgestell: MAN
Aufbau: Rosenbauer (XS-Serie)
Abnahme & Ankunft: Juli 2026
Geplante Indienststellung: Herbst 2026


















