MÜB – Mobile Übungsanlage Binnengewässer

Früh ging es los letzten Samstag, um kurz vor sieben machten wir uns auf den Weg in den Mannheimer Hafen zur Mobilen Übungsanlage Binnengewässer, kurz MÜB.

Die MÜB ist ein zum Ausbildungszentrum umgebautes Tankschiff. Sie ist das Ergebnis eines europaweiten Projekts und liegt abwechselnd in Mulhouse, Straßburg und eben Mannheim. Feuerwehrleuten bietet sich hier die Möglichkeit Technik und Taktik rund um die Gefahrenabwehr auf Binnengewässern kennenzulernen und zu üben. Und genau das wollten wir heute tun. Einen ganzen Tag hatten wir, um das Schiff zu erkunden und an den entsprechenden Stationen zu üben.

Im ersten Ausbildungblock ging es zuerst einmal um die Frage, wie wir vom Wasser aus das Deck eines Schiffs erreichen können. Sehr elegant gelingt das mit der Multifunktionsleiter, diese kann von unserem Boot aus auf dem Deck eingehängt werden. Aber auch der Aufstieg über Strickleitern und, wie schon die Piraten, über Netze wurde geübt. Natürlich mit Atemschutzgerät auf dem Rücken ;-).

Was passiert, wenn ein Feuerwehrmann mit voller Ausrüstung ins Wasser stürzt, war ebenfalls ein Thema. Entgegen dem Bauchgefühl der meisten Kameraden geht man trotz der schweren Schutzausrüstung nicht unter. Das Schwimmen gestaltet sich aufgrund des Atemschutzgeräts etwas kompliziert. Alle Stile wurden mal ausprobiert, aber aus dem klassischen Brustschwimmen wurde bei den meisten schnell entspanntes Rückenschwimmen. Ach ja, einen Nachteil haben die Brandschutzklamotten dann doch: Mit nasser Kleidung auf das Deck zu klettern setzt gewissen Armschmalz voraus.

Raus aus den nassen Klamotten, die uns vor Ort gestellt wurden, und rein in die eigene Kluft. Als nächstes stand das Abdichten von Leckagen auf dem Programm. An einer eigenen Station gibt es einen nachgebauten Laderaum mit zerstörter Schiffshaut. Auf Knopfdruck dringt Wasser ein und der Pegel beginnt zu steigen. Jetzt muss erst einmal ein weiteres Ansteigen des Pegels verhindert und gleichzeitig Material zum Abdichten bereitgestellt werden. Strom vom Fahrzeug, Tauchpumpe und ein Schlauch, dann ist die größte Gefahr erstmal gebannt. Im Weiteren wird das Leck mit Gummimatten und Bauholz provisorisch abgedichtet. Wie man möglichst einfach und effizient mit dem Holz genügend Gegendruck auf den Riss bringt und was bei verschiedenen Rissformen zu beachten ist erlebten wir hautnah.

Nach dem Mittagessen geht es zum nächsten Ausbildungsblock: der Schiffsbrandbekämpfung. Erst einmal die Theorie durchsprechen, denn auf einem Schiff gibt es im Brandfall besondere Herausforderungen die bewältigt werden müssen. Es beginnt damit, das Schiffe eher kompakt und meist auch verwinkelt gebaut sind. Platz für die Bereitstellung von Material oder Schlauchreserven will gefunden und sinnvoll genutzt werden, sonst wird die Arbeit schnell anstrengender als sie ohnehin schon ist. Außerdem werden die Wege vom Deck zum Brandherd häufig länger als beispielsweise in Wohngebäuden, entsprechend viel Schlauch muss bereit gestellt und durch den Schiffsrumpf verlegt werden. Zu guter letzt sind Schiffe aus Stahl. Das macht einerseits unseren sonst üblichen Funkverkehr der eingesetzten Trupps mit der zuständigen Führungskraft unmöglich. Zur Koordination der Trupps unter Deck muss der Gruppenführer selbst Atemschutz anlegen und alle Kommunikation erfolgt klassisch mündlich. Da die Trupps im Schiff verteilt sind, alle jedoch zusammen arbeiten müssen, keine leichte Aufgabe für die Führungskraft. Andererseits leitet Stahl von Natur aus sehr gut die Wärme des Brandes. Bevor man das Feuer gefunden hat merkt man also schon, dass da was brennen muss.

Gebrannt hat es tatsächlich, denn die MÜB verfügt über eine Brandsimulationsanlage mit Gasbefeuerung. Nachdem vier Trupps gemeinsam den langen Anmarschweg durch den Schiffrumpf bewältigt hatten und sowohl Angriffs- als auch Sicherheitsleitung verlegt waren ging es also noch zur klassischen Brandbekämpfung und Personensuche. Alle haben wir gelernt, was es heißt sich in den Bilgen unter der Last zu bewegen und jede Schlauchkupplung durch jedes Schott und um jede Ecke zu ziehen, ohne das sie hängen bleibt. Ganz allgemein, warum ein gutes Schlauchmanagement hier auf engem Raum und langen Strecken unabdinglich ist. Und nicht zuletzt wie es ist, so lange unter Atemschutz zu arbeiten und dann noch die Hitze im Brandraum zu erleben.

Bei bestem Wetter hatten wir einen lehrreichen Tag auf der MÜB. Uns allen ist bewusst geworden, mit welchem Aufwand ein Einsatz auf Schiffen verbunden ist, aber auch wie wir diesen effektiv abarbeiten können. Voller Eindrücke ging es abends heim und ein langer, auch anstrengender Tag war gegen 19 Uhr mit der Ankunft in Neckargemünd vorbei. Wir möchten uns bei unseren Kameraden Lennart Rohrer und Michael Maier, sowie bei Christoph von der MÜB für die geniale Ausbildung bedanken. Alle sind wir auf unsere Kosten gekommen, der ein oder andere hat seine Grezen kennen gelernt und letztlich kam auch der Spaß nicht zu kurz.